Wer rund um das Pantheon oder den Trevi-Brunnen spazieren geht, bemerkt schnell eine Sache: Die Souvenirläden verkaufen alle exakt dieselben Dinge. Plastik-Kolosseen in Neonfarben, schlecht gedruckte Magnete, peinliche Küchenschürzen und T-Shirts aus zweifelhafter Produktion. Das ist industrielle Massenware, die mit Rom absolut nichts zu tun hat. Dabei muss man sich nur wenige Meter von den überlaufenen Hauptstraßen entfernen, um in eine völlig andere Welt einzutauchen, die nach Tuffsteinstaub und gegerbtem Leder riecht und in der noch echte Handarbeit gelebt wird.
Ein handgemachtes Objekt in Rom zu kaufen bedeutet nicht nur, ein echtes Stück Stadt mit nach Hause zu nehmen. Es sorgt auch dafür, dass die kleinen Werkstätten überleben können, die heute vom Aussterben bedroht sind. Hier finden Sie echte Originale, sortiert nach Vierteln und Spezialitäten.
Die Straße der Korbmacher und die Kunst des Flechtens am Campo de' Fiori
Nur wenige Schritte vom Markt am Campo de' Fiori entfernt liegt eine Straße, die nach einem alten Handwerk benannt ist: die via dei Baullari. Wenn Sie in die benachbarte via dei Cappellari einbiegen, verstummt der Verkehrslärm sofort. Hier arbeiten noch einige der letzten Korbflechter und Möbelrestauratoren des Viertels.
Wenn Sie nach etwas Leichtem für den Koffer suchen, sollten Sie sich die kleinen Korbmacherwerkstätten ansehen. Die handgeflochtenen Körbe und kleinen Weidenobjekte sind robust, duften nach Holz und kosten oft viel weniger, als man denkt. Die Preise variieren je nach Aufwand der Arbeit. Die beste Zeit für einen Streifzug durch diese Gassen ist der späte Nachmittag, wenn die Sommerhitze langsam nachlässt und die Handwerker bei weit geöffneten Türen direkt zur Straße hin arbeiten.
Leder und marmoriertes Papier im Rione Regola
Die via dei Giubbonari und die via del Pellegrino sind historische Einkaufsstraßen in Rom. Wenn Sie die großen Modeketten ignorieren und einen Blick in die Seitengassen werfen, entdecken Sie Werkstätten, die seit Generationen Leder verarbeiten. Hier geht es nicht um große Modemarken, sondern um Handwerker, die Taschen, Gürtel und Notizbücher direkt vor Ort zuschneiden und nähen.
Eine traditionsreiche Adresse für Papierliebhaber sind die Werkstätten, die marmoriertes Papier von Hand herstellen. Bei dieser Technik lässt man Farben auf einer gelartigen Flüssigkeit treiben, wodurch einzigartige Muster entstehen, die dann auf die Papierbögen übertragen werden. Jedes Blatt ist ein Unikat, das sich nicht exakt kopieren lässt. Die in Halbleder gebundenen Notizbücher mit einem Einband aus marmoriertem Papier sind wertvolle Einzelstücke. Sie finden diese historischen Werkstätten im Rione Regola, ganz in der Nähe der wichtigsten Haltestellen der öffentlichen Verkehrsmittel im Zentrum. Wenn Sie mehr über die Geschichte des Viertels und seine Denkmäler erfahren möchten, können Sie die Detailseite auf dem offiziellen Tourismusportal Turismo Roma besuchen.
Antike Drucke und Stiche nahe der Piazza Navona
Ein weiterer Souvenir-Klassiker in Rom, der jedoch häufig als billige Fotokopie verkauft wird, ist der antike Kupferstich. Die Ansichten von Rom, die auf Kupferplatten graviert wurden, prägten über Jahrhunderte das Bild der Stadt für die Reisenden der Grand Tour.
In den Gassen rund um die Piazza Navona, besonders in Richtung via dei Coronari, gibt es noch einige Fachgeschäfte für Drucke und Aquarelle. Hier finden Sie keine Digitaldrucke, sondern Originalblätter aus dem 18. und 19. Jahrhundert oder moderne Reproduktionen, die mit Handpressen auf schwerem Baumwollpapier gedruckt wurden.
- Wonach Sie suchen sollten: Ansichten von Rom von Stechern wie Piranesi oder Giuseppe Vasi (handgedruckte moderne Reproduktionen variieren im Preis je nach Motiv und Größe).
- So erkennen Sie Fälschungen: Fahren Sie mit der Kuppe des Zeigefingers vorsichtig über den Druck. Wenn Sie die Vertiefung spüren, die die Metallplatte auf dem feuchten Papier hinterlassen hat, halten Sie eine echte handwerkliche Arbeit in den Händen.
- Empfohlene Uhrzeit: Diese Läden öffnen meist am Vormittag und machen am Nachmittag eine Pause. Planen Sie Ihren Besuch daher am besten für das Ende des Tages ein.
Marmor und Inschriften in der via Margutta
Die via Margutta ist berühmt als Straße der Künstler, Maler und als Drehort mit Gregory Peck im Film Ein Herz und eine Krone. Heute haben viele Kunstgalerien modernen Designstudios Platz gemacht, aber eine uralte römische Tradition hält sich hartnäckig: die der Steinmetze.
In dieser ruhigen, efeubewachsenen Straße finden Sie kleine Werkstätten, die Inschriften in Marmor- oder Travertinplatten meißeln. Travertin ist der Stein, aus dem auch das Kolosseum erbaut wurde. Die Handwerker gravieren lateinische Sprüche, berühmte Zitate oder personalisierte Familienschilder. Eine kleine, handgemeißelte Travertinplatte ist ein echtes, schweres Stück Rom zum Anfassen. Die Preise richten sich nach der Größe der Platte und der Anzahl der Buchstaben. Die via Margutta ist von den nahegelegenen U-Bahn-Stationen aus problemlos zu Fuß erreichbar.
Praktische Tipps für den Einkauf in den Werkstätten
Der Einkauf in historischen Werkstätten erfordert ein anderes Vorgehen als im Supermarkt oder im typischen Souvenirladen. Hier sind drei goldene Regeln für Ihren Besuch:
- Fragen Sie nach der Werkstatt im hinteren Teil: Echte Handwerker sind stolz auf ihre Arbeit. Wenn Sie Arbeitstische voller Werkzeuge, Klebstoffe, Meißel und halbfertiger Stücke sehen, sind Sie an der richtigen Adresse.
- Feilschen Sie nicht um den Preis: Handarbeit erfordert Stunden an Vorbereitung und Ausführung. Die Preise in den Werkstätten sind nicht künstlich aufgebläht wie an den Touristenständen auf der Straße. Aggressives Verhandeln gilt hier als unhöflich.
- Achten Sie auf die Materialien: Echtes Leder riecht nach Natur und weist kleine Unregelmäßigkeiten auf der Oberfläche auf. Wenn der Geruch an Plastik erinnert und die Oberfläche absolut makellos und gleichmäßig ist, handelt es sich höchstwahrscheinlich nicht um ein lokales, handgemachtes Produkt.
Wenn Sie allgemeine Informationen zu den Ladenöffnungszeiten im historischen Zentrum oder zu den Verkehrsmitteln suchen, empfehle ich Ihnen, vor Ihrem Aufbruch die aktuellen Hinweise auf der offiziellen Website der Stadt Rom Comune di Roma zu prüfen, besonders an heißen Julitagen, wenn einige Werkstätten wegen der Sommerpause verkürzte Öffnungszeiten haben können.
